Hoffnung für Vietnamesin Thi

Entscheidung liegt beim Ausländeramt - Hartnäckige Interventionen und zahlreiche Briefwechsel tragen Früchte

Darf zumindest Thi Bang Tham Nguyen trotz der Abschiebung nach Vietnam zurückkehren und am Zinzendorf-Gymnasium ihr Abitur machen? Was bislang nach geltendem Recht ein winziger Hoffnungsschimmer war, ist inzwischen zur handfesten Hoffnung geworden. Die deutsche Botschaft in Hannoi hat offenbar verbindlich zugesichert, der 19-jährigen ein Ausreisevisum zu bewilligen. Jetzt liegt die Entscheidung beim Ausländeramt des Landkreises.

Königsfeld: Bei der Vernissage zur „Zinzendorf-Kunst“ am vergangenen Wochenende hatte Schulleiter Knut Schröter noch recht vage von „intensiven, hoffnungsvollen Aktivitäten“ zur Rückkehr gesprochen, inzwischen wurde er konkreter. Nach hartnäckigen Interventionen von allen Seiten und Briefwechseln mit dem Auswärtigen Amt in Berlin und der Deutschen Botschaft in Hannoi geht er davon aus, dass die 19-jährige Vietnamesin nach Königsfeld zurückkehre.

Entscheidende Voraussetzungen dafür ist, dass die Ausländerbehörde beim Landratsamt in Villingen das unbefristete Einreiseverbot nach Deutschland, das nach Abschiebungen automatisch verhängt wird, in ein befristetes verwandelt.

Das kann sie in Ausnahmen, wie Amtsleiterin Christine Banholzer bestätigte, ob sie es auch tun wird, wollte sie allerdings nicht verraten. Banholzer bestätigte lediglich, dass ein „Antrag auf zeitliche Befristung der Einreisesperre“ vorliege und verwies ansonsten auf die noch ausstehende Abstimmung mit dem Freiburger Regierungspräsidium. Das wiederum verweist auf die Zuständigkeit der „Ausländerbehörde des letzten Aufenthalts“, und das ist das Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis.

Beate Schmidt-Kempe, die inzwischen die rechtliche Vertretung der Familie Nguyen übernommen hat, interpretiert das behördliche Verschieben von Zuständigkeit als wenig ermutigendes Signal. Sie hat den Antrag auf befristetes Einreiseverbot im übrigen für die ganze Familie gestellt, die inzwischen auch die Kosten für die Abschiebung übernommen habe. Der Aufwand für Flug und Polizeieinsatz sei erstattet worden; möglich durch private Spenden und den Verkauf des Mobiliars.

Obwohl auch die Eltern Duy Doanh und seine Frau Thi Kim Loahn Nguyen und vor allem ihr 16-jähriger Sohn Duc ebenfalls zurückkehren möchten, erfolgversprechend scheint das kollektive Engagement in Königsfeld lediglich für Tochter Thi. Sie ist bereits volljährig, die Zinzendorf-Schulen haben verbindlich die Übernahme von Kosten für Flug und Internatsaufenthalt zugesagt.

Die deutsche Botschaft in Hannoi hat inzwischen schriftlich versprochen, Thi´s Antrag auf ein Ausreisevisum schnellstmöglich zu bearbeiten. Das ist für Knut Schröter der bislang entscheidendste Erfolg nach umfangreicher Korrespondenz mit der Botschaft in Hannoi und dem Bundesaußenministerium in Berlin. Dessen Mitarbeiter Bernhard Meyer hat auf Schröter´s Bitten recherchiert. Er wusste von einem persönlichen Vorstellungsgespräch der jungen Frau direkt bei der Visastelle in Hannoi. Allein das war ohne schriftliches Nachhaken nicht möglich, wie Thi in einem vorherigen Brief an die Schulleitung versicherte: „Ohne Ihren Anruf werde ich in Vietnam leider nicht weitergeleitet.“


Für das Kollegium in Königsfeld, Thi´s Freunde, Mitschülerinnen und Mitschüler ist die Hoffnung auf ihre Rückkehr so realistisch, dass bereits Geld für den Flug gesammelt wird. Für die Ausstellung beim Altschülertreffen hatte ein Onkel aus Hannoi Bilder geschickt, deren Verkaufserlös einen Grundstock bilden soll. Viel Aufmerksamkeit fanden auch Thi´s eigene Bilder, die sie nach ihrer überstürzten Abreise in der damaligen Wohnung in Neuhausen zurücklassen musste. Eine Freundin kommentierte die künstlerische Präsenz der jungen Vietnamesin so: „Thi gehört zu uns und mit ihren Zeichnungen ist ein Teil von ihr bei uns.“

Südkurier, 5. Dezember 2003